
Einleitung
CSV-Dateien gelten als der kleinste gemeinsame Nenner im Datenaustausch.
Google Sheets macht es besonders bequem: Daten pflegen, als CSV herunterladen, in Shopware 6 importieren – fertig.
In der Praxis ist genau dieser Workflow in Shopware 6 jedoch anfällig für Fehler.
Nicht wegen komplexer Logik oder falscher Profile, sondern wegen lokaler Formate, die auf den ersten Blick völlig harmlos wirken.
Problem 1: Das falsche Trennzeichen
Google Sheets exportiert CSV-Dateien standardmäßig kommasepariert:
name,productNumber,price
T-Shirt,SW10001,19.99Shopware 6 erwartet in der Regel semicolon-separierte CSV-Dateien:
name;productNumber;price
T-Shirt;SW10001;19.99Das Ergebnis ist bekannt:
Spalten werden nicht erkannt
Mehrere Werte landen in einem Feld
Pflichtfelder fehlen scheinbar
Der Import läuft durch – aber mit falschen Daten
Für Einsteiger wirkt das wie ein kaputtes Importprofil.
In Wahrheit ist es nur ein falsches Zeichen.
Problem 2: Deutsche Regionseinstellungen & Dezimaltrennzeichen
Jetzt wird es richtig tückisch.
Wenn Produkte mit deutschen Regionseinstellungen exportiert werden – egal ob aus Google Sheets, Excel oder einem anderen Tool – sehen Zahlen häufig so aus:
21,65Für Menschen ist das vollkommen korrekt. Für Shopware 6 nicht. Shopware 6 erwartet in CSV-Dateien in der Regel:
21.65Also Punkt statt Komma als Dezimaltrennzeichen.
Was dabei schiefgeht
Preise werden als 21 interpretiert
Dezimalstellen gehen verloren
Zahlen werden als Strings gelesen
Der Import schlägt stillschweigend fehl
Oder noch schlimmer: Er läuft durch – mit falschen Werten
Das Problem ist besonders gefährlich, weil:
die CSV optisch korrekt aussieht
keine offensichtliche Fehlermeldung erscheint
der Fehler oft erst im Frontend oder im Reporting auffällt
Warum diese Kombination besonders gefährlich ist
Jetzt kommt der Klassiker:
CSV ist kommagetrennt
Zahlen enthalten ebenfalls Kommas
Für Maschinen ist das kein „deutsches Zahlenformat“, sondern schlicht Chaos.
Spalten, Werte und Dezimalstellen verschwimmen – und der Import wird unzuverlässig oder unbrauchbar.
Typische Szenarien
Preisupdates über Google Sheets
Massenänderungen bei Produkten
Pflege von Custom Fields mit numerischen Werten
Übergaben zwischen Agentur, Kunde und Dienstleister
Gerade bei größeren Datenmengen ist das kein Randfall, sondern Alltag.
Achtung: Kein blindes Suchen & Ersetzen im Texteditor
In der Praxis liegt eine vermeintlich einfache Lösung nahe:
CSV im Texteditor öffnen und schnell per Suchen & Ersetzen Kommas gegen Semikolons oder Dezimal-Kommas gegen Punkte tauschen.
Das ist eine sehr schlechte Idee.
Warum?
Weil CSV-Dateien nicht nur Zahlen enthalten, sondern auch Freitexte:
Produktnamen
Produktbeschreibungen
SEO-Texte
Zusatzfelder
Custom Fields
Ein globales Ersetzen von:
, →
;, →
.
führt unweigerlich dazu, dass:
Produktbeschreibungen zerhackt werden
Aufzählungen ihre Bedeutung verlieren
Maße, Texte und Satzzeichen verfälscht werden
Inhalte unbemerkt beschädigt werden
Das Ergebnis ist kein sauberer Import, sondern Datenchaos, das oft erst Tage später auffällt – zum Beispiel im Frontend, im Feed oder bei Preisvergleichen.
Warum das besonders gefährlich ist
Der Import kann trotzdem erfolgreich durchlaufen
Shopware meldet keinen Fehler
Die Daten sind technisch „valide“, aber inhaltlich kaputt
Gerade bei größeren Produktbeständen ist das kein kleiner Patzer, sondern ein echtes Qualitätsproblem.
Die einzig sichere Vorgehensweise
Trennzeichen und Dezimalformate beim Export korrekt setzen
Oder über Tools konvertieren, die CSV-Strukturen verstehen (z. B. Tabellenprogramme)
Niemals blind im Rohtext manipulieren
CSV ist ein strukturiertes Format – kein Textdokument.
Workarounds (kurz & pragmatisch)
Es gibt einen eleganten One-Click-Fix, dieser wird aber erst in der Zukunft behandelt und erfordert zunächst ein umfangreiches Setup. Zunächst behelfen wir uns hiermit:
CSV vor dem Import normalisieren
Semikolon als Trennzeichen
Punkt als Dezimaltrennzeichen
Zwischenschritt über Excel / LibreOffice
Regionseinstellungen bewusst setzen
CSV gezielt neu exportieren
Google Sheets nur als Datenquelle, nicht als CSV-Lieferant
XLSX exportieren
Konvertierung lokal durchführen
Alles davon funktioniert – nichts davon ist intuitiv.
Warum das erwähnenswert ist
Das sind keine exotischen Edge Cases.
Das sind alltägliche Workflows.
Shopware 6 ist technisch stark, modern und leistungsfähig – aber an genau diesen Stellen zeigt sich, dass lokale Formate und reale Arbeitsweisen nicht ausreichend berücksichtigt werden.
Der Frust entsteht nicht durch Komplexität, sondern durch fehlende Fehlertoleranz und mangelhafte Kommunikation.
Fazit: CSV-Importe in Shopware 6 scheitern selten an der Logik – sondern an Details:
falsches Trennzeichen
falsches Dezimalformat
regionale Voreinstellungen
Wer das weiß, kann damit umgehen.
Wer es nicht weiß, verliert Zeit, Nerven und Vertrauen in den Prozess.
Und manchmal entscheidet nicht die Architektur eines Systems über Produktivität – sondern ein einzelnes Komma.

