
Die bittere Erkenntnis nach dem Wechsel
Der Wechsel von Shopware 5 zu Shopware 6 ist unausweichlich. Er ist notwendig, technisch sinnvoll, modern und strategisch richtig.
Ich wollte diesen Wechsel. Ich habe ihn sogar aktiv vorangetrieben, fest überzeugt, dass ein moderneres System auch ein leistungsfähigeres System sein sollte.
Genau deshalb schreibe ich diesen Text:
Nicht als Nörgler, nicht als Verweigerer, sondern als jemand, der guten Glaubens diese Migration vorangetrieben und begleitet hat – und jetzt schmerzlich feststellen muss, dass vorher funktionierende Features in Shopware 6 entweder verschlechtert wurden oder schlicht nicht mehr existieren.
Dies ist ein Rant von jemandem, der Shopware eigentlich gern hat– und genau deswegen einmal vom Brett lassen muss, was stört.
Das Elend der Mappings
Das Elend beginnt beim Anlegen neuer Mappings.
Das winzige Auswahlfenster zeigt sechs Optionen, während in Wahrheit hunderte Einträge dahinterstecken. Wer nicht genau weiß, wonach er sucht, scrollt sich mit Tunnelblick durch die Liste.
Die Suchfunktion hilft nur dann, wenn man den exakten Namen kennt. Und wer tut das schon bei Tech-Objekten, die man nicht täglich benutzt?
Shopware 5 hat das besser gemacht: 13 sichtbare Optionen, übersichtlicher, stabiler, mit Drag & Drop sortierbar, das zuverlässig funktionierte.
In Shopware 6 dagegen herrscht Pfeiltasten-Logik.
Ja, Pfeiltasten – um die Reihenfolge von Spalten zu ändern. Und noch nicht einmal korrekt funktionierende:
Die erste Eingabe klappt. Danach verhält sich das System, als hätte es einen leichten Sonnenstich. Mal bewegt sich der richtige Eintrag, mal ein völlig anderer.
Die "Lösung"?
Speichern, neu öffnen, Position ändern, und wieder speichern und wieder von vorne. Willkommen im 21. Jahrhundert.
Profile klonen? Naja – so halb.
Man kann Exportprofile duplizieren – aber nur innerhalb desselben Systems.
Wer jedoch glaubt, er könne ein Profil aus dem Testsystem exportieren und ins Livesystem importieren, wird enttäuscht:
Shopware 6 kennt keinen systemübergreifenden Profilimport, auch wenn es als Option angegeben wird.
Das bedeutet:
Alles, was man sorgfältig im Testsystem aufgebaut hat, muss im Livesystem noch einmal per Hand nachgebaut werden.
Jedes Mapping, jede Spalte, jede Struktur.
Wer schon einmal eine komplexe Import-/Exportlogik mit Custom Fields für mehrere hundert oder tausend komplexer Produkte gebaut hat, weiß, wie schmerzhaft das ist. Hier brennt das defekte Sortieren richtig in der Wunde.
Export gestartet… und dann?
Shopware 5: Export anklicken → Export startet.
Shopware 6: Export anklicken → Export verschwindet in einer unsichtbaren Warteschlange, deren Status eher Interpretationssache als klar kommuniziert ist.
Wieder ein Punkt, an dem man sich fragt, wie man Bewährtes durch ein schlechteres Konzept ersetzen konnte. Ich verstehe den Gedanken, dass man so mehrere Exporte parallel anstoßen kann, aber bis jetzt werden bereits mehrere Zehntausende Einträge in Minutenschnelle abgearbeitet. Einen Bedarf für komplexe Warteschlangen sehe ich hier nicht für den Export.
Workarounds: Pflaster auf die offene Wunde
Es gibt sie:
SQL-Abfragen, manuelles CSV-Tuning, Plugins, API-Schleifen.
Aber seien wir ehrlich:
Das sind Krücken oder erfordern teure Entwickler mit Serverzugang. Kein ernstzunehmender Ersatz für eine robuste, integrierte Funktion, die in Shopware 5 bereits existierte und vergleichsweise frustfrei einsetzbar war.
Warum mich das persönlich trifft
Ich wurde vor Jahren in die Shopware-Welt geschleudert, aus der Sicht einer Agentur, welche äußerst komplexe Prozesse begleitet.
Ich erledige massenhafte Produktbearbeitungen routiniert, baue Exporte, pflege Daten und übernehme Aufgaben, die sonst Entwicklerkapazitäten fressen würden und eh noch einmal extra Überarbeitet werden müssten, um für Shopbetreiber verständlich zu sein.
In Shopware 5 war das effizient und verlässlich.
In Shopware 6 dagegen gleicht es oft einer Geduldsprüfung.
Nicht, weil das System veraltet wäre – im Gegenteil – sondern weil bestimmte zentrale Workflows schlicht aus dem Fokus geraten sind.
Und genau das ist das Problem.
Was Shopware endlich verstehen muss
Niemand legt Exportprofile auf dem Handy an.
Niemand möchte Pfeiltasten verwenden, wenn Drag & Drop existiert.
Niemand möchte Exportprofile doppelt bauen, wenn ein Import möglich sein sollte und sogar angeboten wird.
Shopware 6 muss erkennen, dass solche Funktionen nicht nur „Nischen-Features“ für Tech-Nerds sind.
Sie sind essenziell für Händler, Agenturen, Datenprofis und alle, deren täglicher Job davon abhängt, dass Exporte zuverlässig laufen.
Fazit: Ja, Shopware 6 ist besser – aber nicht überall
Man muss fair bleiben:
Viele Bereiche von Shopware 6 sind ein echter Fortschritt.
Die Architektur ist moderner, schneller, flexibler.
Das Rule Builder-Konzept ist mächtig, das Admin-Interface ist strukturiert, die API-first-Philosophie eröffnet unzählige Integrationsmöglichkeiten.
Aber genau deshalb fällt dieser Rückschritt so auf.
Die Exportprofile sehen aus wie eine kleine Nische – sind aber kritisch für effektives Arbeiten.
Und sie wurden in Shopware 6 offensichtlich aus dem Blick verloren.
Ich bin weiterhin überzeugt, dass Shopware 6 der richtige Weg ist.
Aber ich bin genauso überzeugt, dass diese Ecke dringend überarbeitet werden muss.
Denn ein modernes System darf keine produktiven Workflows verschlechtern.
Nicht in einem Bereich, der so zentral ist wie Datenexport und Massenbearbeitung.

