
Slack ist aus dem Alltag in Medienagenturen kaum wegzudenken. Kurze Abstimmungen, schnelle Rückfragen, direkter Austausch – all das funktioniert damit sehr gut.Probleme entstehen meist nicht durch Slack selbst, sondern durch die Erwartung, dass ein Chat-Tool alle Formen von Projektkommunikation ersetzen kann.
Und genau das kann es nicht!
Agenturarbeit braucht Fokus – nicht nur Austausch
In Medienagenturen wechseln Themen, Kunden und Projekte schnell. Gleichzeitig erfordern viele Aufgaben konzentriertes Arbeiten über längere Zeit – egal ob Konzeption, Gestaltung, Text, Setup oder Entwicklung.
Hier liegt eine der Schwächen von Chats:Sie sind darauf ausgelegt, ständig Aufmerksamkeit zu bekommen.
Auch kurze Nachrichten oder „nur mal eben“-Fragen unterbrechen den Arbeitsfluss. Je häufiger das passiert, desto schwerer wird es, bei einer Aufgabe zu bleiben. Das ist keine Frage von Disziplin, sondern eine ganz normale Reaktion unseres Gehirns.
Jede Chat-Nachricht unterbricht Deinen Fokus. Auch wenn Du nicht sofort antwortest, reicht oft schon das Aufpoppen der Nachricht.
Studien zeigen: 👉 Nach einer Unterbrechung brauchst Du im Schnitt 15–25 Minuten, um wieder in tiefe Konzentration zu kommen.
In Projekten, die komplexes Denken erfordern, ist das fatal.
Natürlich ließe sich ein Teil dieser Ablenkung technisch reduzieren:Nicht-Stören-Modus auf dem Mac, Benachrichtigungen in Slack pausieren oder Fokuszeiten im Kalender blocken. Das hilft und sollte im Agenturalltag auch aktiv genutzt werden.
Gleichzeitig löst das nur einen Teil des Problems. Denn selbst wenn Benachrichtigungen stumm sind, bleiben projektbezogene Informationen im Chat verteilt: Feedback, Entscheidungen, Rückfragen oder Änderungen.Der Fokus ist dann zwar geschützt, aber der Projektkontext jedoch nicht!
Effizienz leidet oft schleichend
Im Projektalltag zeigt sich das nicht sofort, sondern schrittweise:
Aufgaben ziehen sich länger
Dinge müssen häufiger erklärt werden
Informationen werden mehrfach nachgefragt
der Überblick geht verloren
Nicht, weil jemand schlecht arbeitet – sondern weil Informationen an vielen Stellen gleichzeitig verteilt werden.
Projektbezogene Kommunikation gehört dorthin, wo sie auffindbar ist
Gerade im Agenturkontext ist klarer Kontext entscheidend.Deshalb sollten projektbezogene relevante Infos, Rückmeldungen und Fragen dort dokumentiert werden, wo sie auch später noch gebraucht werden – zum Beispiel in Projekttickets oder Tasks.
Dazu gehören unter anderem:
Kundenfeedback
Rückfragen zur Umsetzung
Freigaben
Änderungen an Anforderungen oder Assets
Wenn solche Inhalte im Chat landen, fehlt oft:
der direkte Bezug zur Aufgabe
eine klare Zuständigkeit
die Möglichkeit, Entscheidungen später nachzuvollziehen
Praxisbeispiel aus dem Agenturalltag
Ein Kunde gibt Feedback zu einer Kampagne.Das Feedback landet im Slack-Channel, wird kurz diskutiert und „gedanklich“ mitgenommen.
Ein paar Tage später:
jemand Neues steigt ins Projekt ein
ein Detail wird hinterfragt
der ursprüngliche Kontext fehlt
Im Projektticket wäre alles sauber gebündelt gewesen – ohne zusätzliche Abstimmung.
Slack sinnvoll einsetzen – statt überfrachten
Slack ist im Agenturalltag weiterhin sehr wertvoll, zum Beispiel für:
kurze Abstimmungen
organisatorische Fragen
schnelle Hinweise
teaminterne Kommunikation
Für projektkritische Inhalte lohnt sich jedoch ein bewusster Wechsel in strukturierte Tools. Das sorgt nicht für mehr Bürokratie, sondern für mehr Ruhe und Klarheit.
Fokus schützen ist kein Luxus
Konzentration ist eine der wichtigsten Ressourcen in Agenturen.Wenn Kommunikation besser gebündelt wird, entsteht automatisch:
weniger Ablenkung
mehr zusammenhängende Arbeitszeit
weniger Rückfragen
effizientere Projekte
Nicht, weil weniger kommuniziert wird – sondern weil gezielter kommuniziert wird.
Fazit: Slack ist ein gutes Werkzeug – aber kein Projektspeicher
Slack funktioniert hervorragend, wenn es das unterstützt, wofür es gedacht ist.Für Projektarbeit braucht es zusätzlich klare Orte für:
Informationen
Entscheidungen
Feedback
Wer diese Trennung bewusst lebt, arbeitet fokussierter, transparenter und entspannter – ganz ohne dogmatische Regeln.

